Streik!

Die Lehrer streiken und wir passen auf die Schule auf. So kann man Donnerstag und Freitag vor einigen Wochen beschreiben. Bereits als ich vor 2 Monaten in Namibia ankam, sprachen die Lehrer von dem Streik an staatlichen Schulen. Die Lehrer wollen 8% mehr Geld, die Regierung will nur 5% mehr bezahlen. Nach langem hin und her, Abstimmungen der Gewerkschaft und gerichtlichen Entscheidungen war es dann so weit… Streik! Erst Mittwochabend hatte ein Gericht den Streik zugelassen. Daraufhin sendete das Bildungsministerium eine Mail an alle staatlichen Schulen, dass die Examen verschoben werden und die Kinder Donnerstag und Freitag schulfrei haben. Die Lehrer sollen hingegen ihrer Arbeit normal nachgehen :)

 

 

Wir waren natürlich ab 7 Uhr an der Schule und hatten einen ganzen Tag vor uns. Also Bälle holen, ein paar Kinder zusammensammeln und Hütchen aufstellen. Fußball kann man immer und überall spielen. Für alle die keine Lust auf Fußball hatten, haben wir verschiedene Spiele angeboten. Außerdem hat Vera mit Deutschunterricht für die Schüler angefangen, den sie nun gerne fortführen möchte. Die Schüler scheinen dabei viel Spaß zu haben. Am Freitag hat Vera die zweite Deutschstunde gemacht, während ich zuerst Klausuren für die Stufen 5 und 7 entworfen haben und danach mit einigen Kindern circa 3 Stunden Fußball gespielt habe.

 

 

 

Vom 20. bis 22. Oktober fand das Dome Classic statt. Dieses Jahr war die erste Ausgabe dieses Formats, welches zum Austausch zwischen Experten verschiedener Sportarten sowie dem interessierten Publikum beitragen soll. Wir waren an den drei Tagen als Helfer dabei.

 

Donnerstag sind wir nach der Schule kurz nach Hause und danach direkt zum Dome gefahren. Dort haben wir zuerst mit zwei Lehrern unserer Schule einen Vortrag zum Thema „Entwicklung einer Sportkultur an Schulen“ gehört. Der Vortrag war zwar interessant, aber eher für finanzkräftige Highschools ausgelegt. Wirkliche Ideen für unsere Grundschule konnte ich nicht gewinnen. Im Anschluss an den Vortrag hatten die Lehrer meiner Schule, Vera und ich aber noch ein privates Gespräch mit Ebrahim Moerat, dem Redner. Dabei haben wir noch ein paar interessante Anregungen bekommen, mal schauen ob sich davon etwas umsetzen lässt. Danach waren wir als Helfer für den Fun Run eingeteilt, einem Lauf über circa 5 Kilometer ohne Zeitnahme. Der Grund für den Lauf war die Anwesenheit von Bruce Fordyce, einem (früheren) südafrikanischen Marathonläufer. Wir waren für einen Waterpoint nach 2 Kilometern zuständig, der zweimal angelaufen wurde. Nach wenigen Minuten war alles vorbei und wir sind zurückgefahren. Im Dome haben wir uns dann die Show eines Zauberers angeschaut. Danach gab es eine Veranstaltung mit erfolgreichen Athleten aus Namibia, bzw. die in Namibia trainieren. Darunter waren Olympiateilnehmer, Weltmeister, der frühere Kapitän der Rugby-Nationalmannschaft sowie Gildo, der Angolaner der Swakop Striders, der bei Olympia 100 Meter gelaufen ist. Nachdem einige der Anwesenden kurze Geschichten erzählt hatten, durften Zuschauer Fragen stellen. Im Anschluss hat Bruce Fordyce einen Vortrag über seine sportliche Historie gehalten, gespickt mit lustigen Pointen. Seine Ausführungen waren spannend und kurzweilig. In Südafrika ist/war er ein sehr erfolgreicher und bekannter Sportler. Zum Beispiel hat er viele Mal am Comrades Marathon von Durban nach Pietermaritzburg teilgenommen und 9 Mal gewonnen. Der Lauf geht über circa 90 Kilometer.

 

Am Freitag fand zuerst ein Event für Kinder statt, bei dem Profisportler aus Namibia und Südafrika Vorträge gehalten und kurze Trainingseinheiten durchgeführt haben. Kurzfristig durften wir 5 Kinder aus unserer Leichtathletikgruppe an der Festus Gonteb mitbringen. Sie mussten jeweils nicht den vollen Eintritt bezahlen und Ulla hat uns sogar von der Schule abgeholt. Also ging es direkt nach der Schule zum Dome, um rechtzeitig zum Lunch zu kommen. Nach dem Essen gab es einen kurzen Vortrag von Bruce Fordyce. Währenddessen habe ich mit Ebrahim Moerat seine Trainingseinheit vorbereitet (Redner vom Vortag). Er ist Südafrikaner und hat früher Rugby gespielt. Mittlerweile arbeitet er für ein Consulting Unternehmen, welches dem Staat bei der Etablierung und Integration von Sport im Lehrplan berät. Als der Vortrag von Bruce Fordyce beendet war wurde die Gruppe aufgeteilt. Neben dem Training von Ebrahim Moerat (Einführung Rugby) hat Okkert Brits die andere Truppe trainiert. Okkert Brits ist ein ehemaliger südafrikanischer Stabhochspringer, dessen Bestleistung bei 6,03 m liegt. Damit war er einer der besten Springer seiner Zeit. Da ich nur bei der Einführung ins Rugby teilgenommen habe, kann ich auch nur darüber berichten. Durch einige Spiele versuchte Ebrahim Moerat neben der grundlegenden Idee des Rugbys auch die Notwendigkeit eines „Teamgedanken“ aufzuzeigen. Die Kinder hatten viel Spaß und (vermutlich) auch viel gelernt :) Cool für mich war, dass bei einem Spiel die Trainer gegen die Kinder gespielt haben. Zu unserer „Hilfe“ hat auch Jacques Burger mitgespielt, der frühere Kapitän der namibischen Rugby-Nationalmannschaft. Und ich bin nicht einmal negativ aufgefallen… Die Wurftechnik vom Rugby konnte ich zumindest grundlegend. Nach der Trainingseinheit hat Okkert Brits für alle eine kurze Krafteinheit gemacht, bevor ein Zauberer für einen gelungenen Abschluss gesorgt hat. Er hat seine Tricks vom Vortrag noch einmal aufgeführt. So hatten wir eine weitere Möglichkeit, den Tricks auf die Spur zu kommen. Die Kinder hatten sehr viel Spaß. Das Highlight der Veranstaltung war, dass Susan, ein Mädchen aus der Leichtathletik-AG unserer Schule, vom Zauberer als Versuchsperson ausgewählt wurde. Sie hat soooooo gestrahlt :) Als die Veranstaltung vorbei war haben alle „unsere“ Kinder gefragt, ob in der nächsten Woche wieder eine solche Veranstaltung ist. Als wir das verneinten blickten wir in traurige Gesichter. Dann hat Ulla die Kinder zurück zur Schule gefahren und wir haben Tickets an der Abendkasse verkauft. Diese waren für einen Vortrag von Riaan und Vasti Manser. Man kann die beiden durchaus als Extremsportler bezeichnen. Riaan ist mit dem Fahrrad innerhalb von 3 Jahren einmal um den afrikanischen Kontinent gefahren. Dabei hat er einige sehr gefährlichen Situationen sowie tausende wunderbare Geschichten erlebt. Auf die spätere Frage aus dem Publikum, warum er eine solche Tour unternommen hat, antwortete er, dass er als Großvater seinen Enkeln spannende Geschichten erzählen können möchte. Neben dieser „kleinen Radltour“ ist er zusammen mit seiner Frau in den verschiedensten Ecken der Welt gerudert, unter anderem über den Atlantik und den Pazifik. Die beiden haben in ihrem Leben schon ein paar Dinge erlebt :)

 

Am Samstag saßen Vera und ich von 10 bis 18:30 Uhr fast ohne Unterbrechung an der Kasse. Da der „Ansturm“ der Besucher klein bis nicht vorhanden war, gab es durchaus 30 Minuten lang nichts außer Nasebohren und Vera ärgern zu tun. Immerhin bin ich in den Dingen jetzt trainiert. Je näher wir zeitlich dem Abendevent kamen, desto mehr Leute wollten Tickets kaufen. Irgendwann wurde unser Stand quasi überrannt und beim Einlass kamen wir ordentlich ins Schwitzen. Nachdem die Veranstaltung begonnen hatte und alle Besucher im Raum waren, durften auch wir uns ins Publikum setzen. Was denkt ihr, welche Veranstaltung einige hundert Menschen angelockt hat? Eine spannende Rede? Ein preisgekrönter Vortrag? Nein! Eine Bodybuilding Competition. Vielleicht liegt es ja an Vera und mir, aber wir konnten das irgendwie nicht ernst nehmen. Wir haben ständig gelacht und nach ungefähr einer halben Stunde entschieden, dass wir zu Hause irgendwie besser aufgehoben sind. Also sind wir gegangen. Den Sinn von Bodybuilding (vor allem für die Zuschauer) habe ich immer noch nicht verstanden.

 

 

 

Diese Sachen und vieles mehr habe ich in den letzten Wochen erlebt. Wenn es irgendwann Monate ohne Neuigkeiten gibt (hoffentlich nicht), kann ich ja weiter berichten. Und für alle im trüben, kalten und bald winterlichen Deutschland: In Teilen von Namibia hat es in den letzten Tagen geregnet und die Menschen freuen sich! Endlich Wasser! Vielleicht doch ein weiteres Jahr, ohne dass in Windhoek gar kein Wasser mehr ist! Also beschwert euch bitte nicht über den Herbst, schickt ihn einfach zu uns :)

 

 

 

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