Price Giving!

Letzten Freitag war kein normaler Schultag. Nur ausgewählte Schüler, ihre Eltern und die Lehrer kamen in der Mondesa Multi-Purpose Hall zusammen, um gemeinsam das „Price Giving“ zu feiern. Dabei werden Ehrungen für besondere Leistungen vorgenommen, zum Beispiel für schulische Leistungen oder die erfolgreiche Teilnahme an Wettkämpfen. Der Schulleiter erzählte uns am Dienstag von der Veranstaltung und dem Dresscode. Daher bin ich brav mit Hemd und Krawatte gekommen :) Der Beginn war um 8 Uhr…. African Time. Dementsprechend waren zwar schon viele Menschen da, wirklich begonnen hat die Veranstaltung aber erst gegen 8:30 Uhr. Solange konnten wir die Deko bewundern. Besonders die, nur halb geschmückten, weißen Weihnachtsbäume aus Plastik waren den Besuch wert. Viel näher werde ich in diesem Jahr den „weißen Weihnachten“ wohl nicht kommen. Irgendwann ging es dann mit Grußworten los. Bei der Rede des Schuldirektors erzählte er irgendwann von neuen Helfern von außerhalb. Damit waren natürlich wir gemeint. Wir durften aufstehen und mit einem Lächeln die Eltern anschauen. Denen hat der Schuldirektor dann noch mitgeteilt, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn auch die Eltern unsere Arbeit unterstützen. Ebenfalls wurde die Freiwillige vom amerikanischen Peace Corps vorgestellt, die seit letzter Woche an der Schule als Lehrerin aktiv ist. Sie bleibt 2 Jahre an der Festus Gonteb und soll verschiedene Fächer unterrichten. Als die Reden beendet und jeder begrüßt worden war, begann die Verleihung. Zuerst wurden alle Schüler über einem bestimmten Punkteschnitt in verschiedenen Fächern geehrt, dann die Klassen- und Kursbesten. Das hat noch länger gedauert, als es sich anhört. Immerhin gab es zwischenzeitlich eine Vorstellung unserer cultural group. In ihr engagieren sich Kinder unterschiedlicher Klassen und Kulturen. Sie führen zum Beispiel Tänze auf und singen. Es war wirklich sehr spannend diesen kurzen Einblick zu bekommen. Insgesamt war es spannend viele der Kinder außerhalb des Sportunterrichts zu sehen. Manche Chaoten (ja, sowas haben wir auch in unseren Klassen) waren in anderen Kursen die Besten, während auch einige der guten Sportler nicht bei der Veranstaltung waren. Was ich aber super fand war, dass einige Kinder uns während ihrer Zeremonie zugewunken haben. Nicht ihren Eltern (vielleicht waren die auch nicht da) oder anderen Lehrern, sondern uns. Besonders von den (meisten) Kindern fühle ich mich an der Schule gut aufgehoben. Denn in einem solchen Moment freuen sie sich, dass wir bei ihrer Zeremonie anwesend sind. Dem aber nicht genug. Mr David, Lehrer und einer der Organisatoren der Veranstaltung, kam irgendwann auf uns Freiwillige zu und hat und mitgeteilt, dass wir nun auch Teil der Veranstaltung sein werden. Vera hat die besten Schüler der Stufe 7 ausgezeichnet, während ich die erfolgreichen Sportler ehren durfte. Das wurde dann aber etwas konfus, da Mr David mich als Trainer der Fußballschulmannschaften bezeichnet hat, obwohl er es selbst ist. Das war bestimmt nett gemeint, aber jeder im Raum wusste natürlich die Wahrheit… Nach einigen weiteren Auszeichnungen/Reden/etc. war die Veranstaltung gegen 13 Uhr beendet und wir hatten nach einem kurzen Mittagessen Wochenende.

 

 

 

Für das Wochenende war etwas Besonderes geplant. Jens, der Betreuer der Freiwilligen des DRK (Deutsches Rotes Kreuz), ist mit seinen und weiteren Freiwilligen zur Blutkuppe gefahren. Netterweise hat er uns mitgenommen. Also ging es am Samstagmittag mit 13 Leuten auf in die Wüste. Nach circa 2 Stunden Fahrt kamen wir mitten im Nirgendwo bei der Blutkuppe an. Sie ist ein kleiner Berg, der umgeben von wenig außer Sand und ein paar Büschen am Swakop River steht. Das Besondere am Swakop River ist, dass er nur alle paar Jahre Wasser führt, nämlich wenn es wirklich sehr stark geregnet hat. Dann kann er bis nach Swakopmund fließen und dort in den Atlantik münden. Solange er aber kein Wasser führt, ist an der Blutkuppe wenig Leben. Neben uns waren noch ungefähr 4 Fahrzeuge dort, die standen aber weit entfernt. Nach unserer Ankunft sind wir ein bisschen bis zu unserem Schlafplatz gelaufen. Dort angekommen sind wir erstmal erschöpft zu Boden gesunken, da die Hitze für uns „Küstenbewohner“ doch sehr anstrengend war. Irgendwann haben wir das Feuer angemacht und schön Würstchen und Steaks gebraait (gegrillt). Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir auf einen Berg geklettert, um die super Sicht und die verschwinden Sonne zu genießen. Mit einem kühlen Bier in der Hand und vielen netten Leuten um einen, lässt sich sowas noch besser ertragen :) Danach sind wir wieder zum Feuer und es wurde noch mehr Essen gemacht. Als die Sonne endgültig verschwunden und die letzten Sonnenstrahlen nicht mehr bis zu uns vordrangen, bezauberte uns der Himmel mit unendlich vielen Sternen. In der gesamten Umgebung der Blutkuppe gibt es nur eine Mine, die etwas Licht verursacht. Ansonsten hat kein Licht unseren Blick getrübt. Neben den unendlich vielen Sternen habe ich an dem Abend noch 7 Sternschnuppen gesehen. Was ein super Erlebnis! Ich lag bestimmt eine halbe Stunde auf dem Rücken und habe den Himmel bestaunt. Nachts haben wir dann auf Isomatten unter dem freien Himmel geschlafen. Ich hatte mich natürlich zu dick angezogen und musste dann schwitzen. Ist aber besser als andersherum. Am nächsten Morgen haben wir dann nach einem leckeren Frühstück unser Zeug gepackt und sind zurück zum Auto. Von dort ging es Richtung Swakop zurück, aber erst in die Mondlandschaft. Sie wird so bezeichnet, da die Oberfläche wohl der auf dem Mond ähnlich sieht. Das Gestein ist etwas dunkler und komplett zerklüftet und spitz. Inmitten dieser unnatürlichen Welt hat uns noch etwas genauso Skurriles überrascht: Eine Oase. Die Goanikontes Oase wird seit Jahrhunderten vom Menschen genutzt und ist mittlerweile ein Ausflugsziel für frierende Küstenbewohner. Nach einem leckeren Essen sind wir in den Naturpool gesprungen. Das Wasser war zwar grün, soll aber bestens fürs Baden geeignet sein. Trotzdem waren wir nicht sonderlich lange im Pool, was aber auch am kalten Wind lag. Danach sind wir zurück nach Swakop. Insgesamt war der Ausflug echt super und Jens hat verschiedene andere Vorschläge für Aktivitäten/Ausflüge gemacht. Er ist einfach super nett und kümmert sich leidenschaftlich um der DRK-Freiwilligen. Und auch wir sind bei ihm immer willkommen.

 

 

 

Nach einer weiteren stressigen Woche stand dann am letzten Wochenende ein Leichtathletikwettkampf an. Das hört sich erstmal nach nichts Besonderem an, ist es aber. Hier gibt es keine (Vereins-)Strukturen, wodurch in der Leichtathletiksaison immer irgendwo in der Umgebung ein Wettkampf ist. Vereinswettkämpfe gibt es eigentlich überhaupt nicht, maximal innerhalb eines Vereins als kleiner Wettkampf (sollte es bei den Swakop Striders in 2 Wochen geben, wird aber wahrscheinlich nicht stattfinden). Ansonsten werden Wettkämpfe nur zwischen Schulen ausgetragen, vor allem von Privatschulen. In der eigentlichen Leichtathletiksaison (Januar bis März) gibt es dann innerhalb der Schule, dann der Stadt, Region und darüber die nationalen Meisterschaften. Qualifizieren für den regionalen und den nationalen Wettkampf kann man sich eigentlich nur auf den anderen beiden Wettkämpfen davor. Das war es! Nur die Privatschulen organisieren weitere Wettkämpfe, die meistens aber für andere Sportler wenige Zugangsmöglichkeiten haben. Aber zum Wettkampf am Samstag zurück: Dieser fand zwar in Swakopmund statt, aber Ausrichter war das AGRI College aus Grootfontein, einer Stadt im Norden Namibias. Wir waren pünktlich am Stadion, die Sportler auch. Ich freute mich, als Kampfrichter helfen zu können. Dann sah ich auch noch, dass ich beim Diskus eingeteilt war. Super! Dann begann aber das Nachdenken. Wir haben kein Netz um der Ring. Ok, den Schutz braucht man ja auch nicht… Dann viel mir aber auf, dass es nur einen Sportplatz für Diskus, Kugel und Speer gibt. Und die Wettkämpfe fanden natürlich zeitgleich statt. Ich kann schon mal verraten, ich habe es überlebt ! Zwischenzeitlich waren zwischen den Kampfrichtern Speer und mir aber nur 15 bis 20 Meter, als wir messen mussten. Bei weiten Würfen habe ich auch immer vorsichtig zum Speerwurf geschaut. Aber egal, ich war ja voller Tatendrang und irgendwie hatte ich genug vertrauen in meine Reflexe. Um 8:30 Uhr ging es los. Genauer: Sollte es losgehen. Ich stand am Diskusring. Es waren sogar Sportler da! Es fehlten nur: Sektorbegrenzungen, Disken, Maßband, Tisch, Stuhl, Meldelisten und weitere Kampfrichter. Nach und nach kamen dann die Sachen an. Nur Kampfrichter und Disken fehlten noch. Dann kam ein Mann komplett in weiß gekleidet. Als ich ihn frage, ob er der Obmann für Diskus ist schaut er mich komisch an. Er erklärt mir, dass er der Schiedsrichter ist und wir anfangen sollen. (Kurze Info: Der Wettkampf hätte bereits vor circa einer Stunde beginnen sollen, aber im ganzen Stadion lief noch nichts.) Auf meine Frage, wo denn dann die anderen Kampfrichter seien fragte er mich, ob ich nicht noch Freunde zum Helfen hätte… Alleine könnte ich das ja nicht machen, 2 mehr sollten wir schon sein. An dem Punkt kamen mir zum ersten Mal Zweifel (ja, erst jetzt!), ob der Tag echt so super wird. Irgendwann kam dann doch noch eine Frau und der Obmann vom Kugelstoßen wurde uns auch noch zugeteilt, wir konnten also beginnen. Jetzt muss der Leser meines Blogs nur noch wissen, dass die Privatschulen in Namibia häufig afrikaans sind. Eine Sprache, die sich in Südafrika u.a. aus dem Niederländisch entwickelt hat. Die meisten Namibier sprechen Englisch und Afrikaans plus eine Stammessprache. Die anderen beiden Kampfrichter waren Afrikaans. Dementsprechend waren die Gespräche nicht auf Englisch und meine Afrikaans-Fähigkeiten sind noch nicht sehr ausgeprägt. Wir haben zwar Unterricht, für ganze Konversationen reicht es aber (noch) nicht. Soweit kein Problem, wenn sich der Obmann Kugel nicht geweigert hätte, mit mir Englisch zu sprechen. Mit dem Schiedsrichter hatte er noch Englisch geredet (weil ich daneben gestanden habe), danach war aber Schluss. Dementsprechend hat er irgendwas gerufen und ich habe das gemacht, was ich wollte/bei meiner Kampfrichterausbildung gelernt habe. Wenn es seeeehr wichtig war, hat die andere Kampfrichterin auf Englisch die Übersetzung hinterher gerufen. Ob ich einen Diskus außerhalb oder innerhalb des Sektors gesehen habe war auch total egal, die Entscheidung wurde aus 35 Meter Entfernung getroffen. Spätestens zu dem Zeitpunkt habe ich mich auf das Ende des Wettkampfes gefreut. Ab 15 Uhr sollte es die Preise geben! Danach hätte ich noch einen halben Tag gehabt. Wie super. Leider hatte der Wettkampf ja schon zu spät angefangen. Dadurch verschob sich alles. Wir waren dann gegen 17 Uhr am Ende (genau so gemeint). Immerhin hatte der Tag ein spätes Highlight. Der Staffelwettkampf wurde kurzfristig in eine Spaßveranstaltung umgewandelt, bei der jeder mitmachen durfte. Also haben wir schnell ein Team aus 2 Athleten der Swakop Striders, einem Mitarbeiter vom Dome und mir zusammengestellt. Wir hätten bestimmt auch gewonnen, wenn wir nicht erst 5 Minuten vor dem Start davon erfahren hätten :) So sind wir in schlecht sitzenden Schuhen und Jeans gelaufen. Trotz eines total verpatzten Wechsels mit dem Verlust des Staffelholzes wurden wir nicht letzter. Und wir hatten sogar einen eigenen Fanblock :)

 

 

 

Nach diesem Sportfest war ich echt froh, dass am Abend gebraait wurde. Bei mehreren gemütlichen Runden Billard wurde der Tag noch wirklich schön. Außerdem hat es sich ergeben, dass ich am Sonntag mit zum Langustentauchen durfte. Dabei gehen Leute, eingepackt in einen Neoprenanzug, in 1 bis 3 Meter Tiefe nach Langusten tauchen. Unter Wasser, mit dem kompletten Arm in ein Loch und hoffen, dass dort eine große Languste sitzt. Die absoluten Nogoes sind: Loch leer, Languste zu klein (es gibt Fangbeschränkungen), Loch zu tief, Hai/Seeigel/…. Ich habe es mir nur vom Strand aus angeschaut (kein Neoprenanzug, ohne den es einfach viel zu kalt ist), wie andere gesucht haben. Und das mit Erfolg! 10 Langusten, von denen sogar 8 gefangen werden durften (die anderen wurden wieder zurückgeworfen) waren das Ergebnis der Suche. Und ein kleiner Hai. Den haben wir kurz gestreichelt, bevor er wieder ausgesetzt wurde. Voll cool. Seine Haut hat sich so komisch angefühlt. Achso, nur das ihr keine Angst um mich habt: Die wenigen Haie vor Namibias Küste sind ungefährlich. Das Wasser ist hier einfach so kalt, dass die gefährlichen Haie lieber in Südafrika bleiben. Gefährlicher sind hier die teilweise aggressiven Robben :) Am Abend gab es dann Languste zum Essen, dazu verschiedene gegrillte Sachen. So lässt es sich leben.

 

 

 

Auch wenn sich das alles nach viel Spaß anhört, viel Freizeit habe ich aktuell nicht. Wir sind mit den Noten für die Schüler voll ausgelastet. Eigentlich gibt es ja die Sportlehrer, denen wir „nur“ helfen. Es ist aber so, dass wir alles machen. Wirklich alles. Wir machen den kompletten Unterricht, wir überlegen uns Themen, wir entwerfen Klausuren und bewerten sie, wir machen die praktischen Noten. In den letzten Wochen sind wir mit den Noten der Stufen 5 bis 7 ausgelastet. Insgesamt sind es ungefähr 340 Schüler. Dann haben wir an den Wochenenden relativ wenig Zeit, wodurch wir die Korrekturen in der Woche machen müssen. Damit sollen wir bis nächste Woche fertig sein, da jetzt die Examen anfangen… Danach wird es aber hoffentlich wieder besser. Nachtschichten hatte ich im Studium schon genug. Und der Unterricht mit 40 Kindern ist mit zu wenig Schlaf echt kein Spaß :)

 

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

 

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