Alltag!

Ihr fragt euch was ich den ganzen Tag lang mache? Ich mich manchmal auch. Abends falle ich ins Bett und bin total kaputt, aber warum?

Ein Schulgebäude der Festus !Gonteb Primary School. Die Frage nach der Farbe unserer Schuluniform sollte hiermit geklärt sein :)
Ein Schulgebäude der Festus !Gonteb Primary School. Die Frage nach der Farbe unserer Schuluniform sollte hiermit geklärt sein :)

Vormittags arbeiten wir an der Festus !Gonteb Primary School. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Grundschule. Der Unterschied zu Deutschland ist aber, dass sie von der Klasse 0 bis 7 geht. Dabei ist 0 so eine Art Vorbereitungskurs auf die normale Schulzeit. Ebenfalls ist das Schuljahr in Namibia in 3 Terms eingeteilt. Zum Jahresbeginn fängt auch das erste Term an. Wir sind Lehrer für die Klassen 2 bis 7. Die Klasse 1 wird von ihren Klassenlehrern auch in Sport unterrichtet. Wir machen zwar im Endeffekt die Arbeit von Sportlehrern, aber jeder Klasse/Stufe sind andere Lehrer für den Sport zugeordnet. Denen „helfen“ wir, um genau zu sein machen wir das meiste/alles selbst :) Die Stufen 2 und 3 werden von ihren Klassenlehrern betreut, die Stufen 4 bis 7 haben hingegen eigene Sportlehrer. Diese sind unsere Ansprechpartner. Insgesamt sind es 21 Klassen, bei denen wir Sportlehrer sind. Offiziell machen wir PE (Physical Education). Wie wir den Unterricht gestalten, steht uns komplett frei. Der offizielle Lehrplan des Ministeriums legt wenig fest und dementsprechend machen wir die Stunden so, wie wir es für richtig halten. Um den Unterricht zu strukturieren haben wir den verschiedenen Stufen ein Thema gegeben. Die Stufe 2 und 3 macht Fußball. Vom Passen über das Schießen bis zum Spiel ist alles dabei. Meistens beginnen wir die Stunde mit einem Spiel zum Aufwärmen. Den Abschluss bildet die „playground time“, auf dem Spielplatz, den Nicola und Bene gebaut haben.

Auf diesem Sportfeld machen wir Sport mit den Klassen 2 bis 4. Im Hintergrund sind die Räume der 2. und 3. Klassen, die durch ein Tor schnell erreichbar sind.
Auf diesem Sportfeld machen wir Sport mit den Klassen 2 bis 4. Im Hintergrund sind die Räume der 2. und 3. Klassen, die durch ein Tor schnell erreichbar sind.

Die Stufen 4 und 5 machen Wurf. Von verschiedenen Wurfspielen bis zum Ballweitwurf ist alles dabei. Am Ende des Terms haben wir ein paar erste Schritte zum Handball unternommen. Für die praktische Note haben wir dann auch passender Weise Weitwurf gemacht, bewertet wurden Weite und Ausführung. In den Stufen 6 und 7 sind wir gelaufen. Damit die Schüler nicht den Spaß verlieren haben wir fast ausschließlich Laufspiele gespielt. Für die Benotung haben wir dann eine Art Coopertest gemacht. Die Kinder sind 12 Minuten gelaufen und wir haben die Rundenanzahl notiert. Im Anschluss sind sie dann noch 50 Meter gesprintet. Da die Noten neben dem praktischen Teil auch noch aus einer Klassenarbeit und einem Projekt bestehen, haben wir auch eine Stunde „normalen“ Unterricht gegeben. Dabei habe ich gemerkt, dass Sportlehrer genau das Richtige für mich ist. Im Klassenraum stehen fand ich total langweilig. Dann doch lieber an der frischen Luft mit viel Bewegung :) Die Upper Primary (4 bis 7) hat ihre Pause von 10:10 bis 10:40 Uhr. Montag bis Donnerstag bieten wir in der Pause die „Soccer break“ an, bei der eine Stufe auf kleinen Feldern Fußball spielt. Die Kinder freuen sich total über die sportliche Abwechslung und mein Pfiff zum Abschluss bemerken sie in all ihrem Spaß nicht (oder sie wollen mich nicht hören :).

(Anmerkung: Auch wenn ich das Thema nur überflogen habe, in den letzten Wochen saßen wir jeden Abend an der Bewertung von Klausuren und Projekten. Aber jetzt sind wir fertig! Die Noten sind gemacht und eingetragen :))

Sand, Sand und ein paar Glasscherben. Was will man mehr :) Wir haben viel Platz, manchmal müssen wir aber vor einem Auto/LKW ausweichen, der unseren Sportplatz mit einer Straße verwechselt hat.
Sand, Sand und ein paar Glasscherben. Was will man mehr :) Wir haben viel Platz, manchmal müssen wir aber vor einem Auto/LKW ausweichen, der unseren Sportplatz mit einer Straße verwechselt hat.

Wenn die Schule um 13:20 Uhr fertig ist bieten wir montags und donnerstags die Leichtathletik-AG an. Von 13:30 bis 14:30 Uhr bieten wir alle Disziplinen an, die auf dem Schulgelände möglich sind. Von Lauf über Weitsprung bis Wurf, alles machen wir in regelmäßigen Abständen. Die Stunde beginnt mit Einlaufen, Dehnen und Koordination, also wie zu Hause :) Danach machen wir die Leichtathletik spezifischen Übungen. Am Ende spielen wir noch ein Spiel. Besonders in der aktuellen Hitze (wir haben Sommer!) ist das aber alles sehr ermüdend. Bevor sich jemand aus den anderen Projekten beschwert: Hitze in Swakop ist relativ. Ja, auch wir haben blauen Himmel und Sonnenschein. Und wenn die Sonne draußen ist kann es richtig warm werden. Unser warm ist aktuell aber „nur“ bei gefühlten 25 - 30 Grad. Für die Projekte im Inland ist das bestenfalls ein Witz, Swakop will dann aber schon lieber im Schatten liegen. Unser Problem: wir haben kein Schatten auf den „Sportfeldern“ der Schule. Mal schauen, ob und wie ich den Januar überlebe :)

Um den "Steinkreis" laufen wir uns im der AG warm. Warum er genau da ist weiß keiner, eines Tages lagen sie da. An dem Steinblock daneben ist aber ein Wasserhahn, wodurch die Kinder zum Trinken nicht weggehen müssen.
Um den "Steinkreis" laufen wir uns im der AG warm. Warum er genau da ist weiß keiner, eines Tages lagen sie da. An dem Steinblock daneben ist aber ein Wasserhahn, wodurch die Kinder zum Trinken nicht weggehen müssen.

Nach der Schule sind wir bei den Swakop Striders aktiv. Der Leichtathletikverein ist einer von wenigen in Namibia. Generell wird Sport hier mehr in den Schulen gemacht, als dass es kein Vereinssystem wie in Deutschland gibt. Wir haben Montag bis Donnerstag immer von 16 bis 18 Uhr Training. Montag und Mittwoch trainieren Vera und ich die Kindergruppen. Eine bis ungefähr 10 Jahre und eine ältere. Dienstag und Donnerstag helfen wir Ulla bei ihrem Training der älteren Sportler. Da sich Ulla sehr gut im Bereich Sprint und Sprung auskennt, können wir dort viele Anregungen für unser anderes Training bekommen. Ich werde Namibia mit mehr Wissen verlassen, als ich am Anfang hatte.

Blick aus dem VIP-Bereich des Welwitschia Stadiums.
Blick aus dem VIP-Bereich des Welwitschia Stadiums.

Unser Training beginnt wie bei der LGLO (mein Heimatverein und immerhin in diesem Jahr bei Olympia vertreten :)). Warmlaufen, dehnen und Koordination. Die Umsetzung ist zwar in einigen Aspekten abweichend, aber im Großen und Ganzen ist es gleich. Danach trainieren wir eine bestimmte Disziplin oder machen grundlegende Übungen. Dafür steht uns ein komplettes Stadion zur Verfügung, in dem nichts fehlt. Diskusring, Tribünen, Weitsprunganlage… Die Voraussetzungen sind besser als zu Hause. In den zwei Gruppen von uns sind jeweils zwischen 10 und 20 Kindern, die regelmäßig kommen. Wir hoffen, dass wir immer mehr Kinder für Leichtathletik begeistern können. In das Training der jüngeren Altersklasse dürfen 5 Schüler von der Festus !Gonteb kommen. Wir haben sie nach circa 1,5 Monaten ausgewählt, weil sie immer anwesende und motiviert beim Schulleichtathletik waren. Im Stadion gibt es einfach bessere Möglichkeiten, um die verschiedenen Disziplinen zu trainieren.

Beim Dienstag- und Donnerstagtraining helfen wir Ulla. Manchmal kümmern wir uns um die Koordination oder lassen die Athleten Übungen machen, die Ulla uns genannt hat. Vera kümmert sich dabei häufig um die Mittelstreckenläufer. Ich habe einige Male nach den Werfern geschaut, leider wird es in Ullas Training keinen Wurf mehr geben. Daher betreue ich meistens eine der Sprint-/Sprunggruppen.

Haupttribühne mit Fahnenmast, die Weltmeisterschaften können kommen :) Wir haben hier echt ein top ausgestattetes Stadion. Ab Januar finden hier von jeder Schule die Leichtathletikwettkämpfe statt.
Haupttribühne mit Fahnenmast, die Weltmeisterschaften können kommen :) Wir haben hier echt ein top ausgestattetes Stadion. Ab Januar finden hier von jeder Schule die Leichtathletikwettkämpfe statt.

Natürlich haben wir/habe ich Ideen für die nächsten Monate. Als erstes wollen wir im nächsten Term auch an einer Nachbarschule Leichtathletik anbieten. Dadurch sollen noch mehr Kinder die Möglichkeit bekommen, Leichtathletik zu machen. Wenn möglich möchte ich auch eine eigene Leichtathletik AG an der Festus !Gonteb für die Klassen 1 und 2 machen. Diese haben früher Schule aus und kommen daher nicht zu unserer normalen AG. Mal schauen, ob das umgesetzt werden kann. Weitere Ideen habe ich auch, mal schauen was noch alles machbar ist. Ihr erfahrt es dann :)

 

 

Von der Arbeit am Dome habe ich ja immer mal berichtet und auch in Zukunft wird es so weiter gehen. Im Dezember steht mindestens ein Event an.

Der Dome von innen. Es gibt u.a. zwei Inlinehockey Felder, ein Volleyballfeld, einen Bereich für Turner... Swakop ist einfach eine Sportstadt :)
Der Dome von innen. Es gibt u.a. zwei Inlinehockey Felder, ein Volleyballfeld, einen Bereich für Turner... Swakop ist einfach eine Sportstadt :)

Damit habt ihr einen ungefähren Überblick über meine Arbeit. Bei Fragen und/oder Anregungen schreibt mir einfach. Gilt auch für alle, die gerne in Zukunft ASC-Volontäre bei den Swakop Striders sein wollen und Fragen zum Projekt haben :)

 

 

Grüße aus dem sommerlichen Swakop

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